Wie bin ich eigentlich zum Tragen gekommen? Das ist eine spannende Frage und leicht beantwortet. Als ich mit unserem ersten Kind schwanger wurde, hatte ich einen netten Arbeitskollegen, der gerade Papa geworden war und der vom Tragen geschwärmt hat! Nicht nur seine Frau sondern auch er würden viel im Tragetuch tragen und das wäre ganz super.
Ich war seinerzeit zugegebenermaßen sehr skeptisch – in 2016 hat man als Neu-Mama noch nicht so viele tragende Eltern gesehen. Auch meine Schwägerin meinte nur: „Tuch? Viel zu umständlich, wir hatten eine Trage, aber auch das war unbequem und das würde ich nicht empfehlen…“
Im Geburtsvorbereitungskurs war Tragen auch nicht groß Thema, aber die Hebamme hat uns eine simple und kostengünstige Trage empfohlen – es wird schon was dran sein, also gekauft. Tat bei € 50 nicht weh, wenn es ein Fehlschlag werden sollte.
Doch schnell wurde das Teil zu meinem Lieblings“Gadget“: Hände frei, Baby immer dabei und meist zufrieden. Treppen störten nicht mehr, das Kopfsteinpflaster ruckelte nicht mehr und in den Kinderwagen passten nun auch super die Einkäufe und die Windelkartons.
Nach 5 Monate passte die Tragehilfe für uns nicht mehr, aber es war klar, dass wir weiter Tragen wollten. Die Vorteile waren für uns klar.
Zum Glück stellte sich im Babybeikost-Kurs auch eine Trageberaterin vor, mit der wir einen Termin vereinbart haben. Ja, es hat Geld gekostet, aber der Termin war sehr wertvoll: die Tragehilfen, die es seinerzeit überall zu kaufen gab und angesagt waren, passten für meinen Körper gar nicht. Fürchterlich unbequem waren sie für mich, so dass ich zu meiner ersten Fräulein Hübsch-Halfbuckle gekommen bin, die tatsächlich noch immer bei uns wohnt.
Da es aber eine Toddler-Size ist, war bei der Geburt von Kind 2 die Frage: und wie Trage ich jetzt die ersten Wochen? Tragetuch binden kann doch nicht so schwer sein – ein paar Videos bei YouTube geguckt, gebraucht ein Tuch gekauft. Aber irgendwie komisch. Hier haben wir dann wieder bei unserer Trageberaterin angerufen: gezeigt und tatsächlich, wenn man es ein paar Mal gemacht hat, dann ist das Tragetuch binden gar nicht so schwer und vor allem – für mich – sehr angenehm beim Tragen, wenn man weiß, wie es sich anfühlen muss (etwas straffer als ich es ohne Beratung gemacht hätte – was wiederum für Kind und mich nicht so bequem gewesen wäre).
Und wie sollte es anders sein: Im Winter beim Hamburger-Winter-Wetter (grau und Nieselregen): Mal eben schnell los mit Tuch binden in der Natur – nein, viel zu lang und fürs Einkaufen bitte auch was schnelles – so zog die Ruckeli auch noch bei uns ein. Und wer erstmal den Stoffen verfallen ist, der wird bestätigen, dass es wie ein Virus oder eine Sucht ist… Es werden mehr.
Auch Kind 3 habe ich vorwiegend im Tuch getragen. Allerdings sind wir nun im Celler Land gelandet und ich habe festgestellt: so viel wird hier nicht getragen und es gibt auch nur sehr wenige Trageberaterinnen in der Nähe. Dabei ist Tragen für uns so wichtig geworden: Man spendet dem Kind Nähe, kann aber auch seinen eigenen Bedürfnissen nachkommen. Es ist einfach praktisch, wenn man nicht immer den Maxi-Cosi schleppen oder einen Kinderwagen schieben muss. Man hat Hände frei, um den Geschwisterkindern zu helfen. Man kann fast überall wandern – steinige Wege, Stufen oder auch Wurzeln stellen kein Problem dar. Ein Tuch passt auch in die Handtasche oder als Schal um den Hals, um schnell greifbar zu sein, wenn die Füße der Kleinen doch mal schwer werden.
Daher möchte ich mein Wissen und meine Erfahrung gerne teilen und habe bei der Trageschule Hamburg die Weiterbildung zur Trageberaterin gemacht.
Wenn ihr mehr Wissen möchtet: schreibt mich gerne an!